jueves, 28 de mayo de 2015

Erlebnisse aus dem hohen Norden Kolumbiens - La Guajira


Die spanischen Eroberer zeigten wenig Interesse an der Eroberung, Unterwerfung und Ausbeutung dieses heißen, windumbrausten Landstriches am nördlichsten Punkt Südamerikas. Auf der Halbinsel der Guajira wird es immer trockener, im äußersten Norden findet man eine echte Wüste, die mittels riesigen Sanddünen im karibischen Meer endet. Kakteen und zähes Dorngestrüpp erinnern mehr an die großen Wüsten Arabiens als an die karibischen Tropen.

In der Guajira strandete in den 1930er Jahren einst Henri Charrière, Protagonist des weltberühmten Werkes „Papillon“, der als zum Mord im Französisch Guayana Verurteilter, per Boot floh und in der Guajira landete. 7 Monate soll er dort unter den Wayuu gelebt und nach Perlen getaucht haben.

Die Wayuu, die indigene Bevölkerung der Guajira, verwalten in viele Klans unterteilt, große Teile des Departments autonom. Die Stradt Uribia nennt sich selbstbewusst die „indigene Hauptstadt Kolumbiens“. Hier und auf venezolanischer Seite sollen bis zu ca. 500.000 Wayuu leben. Freundliche Menschen, in teilweiser farbenfroher traditionaller Tracht, bringen uns das ein oder andere Wort in Wayuunaiki, der Sprache der Wayuu, bei. Auf einer traditionellen Ranchería erfahren wir mehr über Leben und Zusammenleben der Wayuu und werden zum „Friche“, der traditionellen Kost der Wayuu, eingeladen.


Kinder erheben auf dem Weg in die Alta Guajira, den nördlichen Teil der Guajira, Wegzoll. Ein paar Süßigkeiten und eine Flasche Wasser ermöglichen uns die Weiterfahrt. Wir bewegen uns auf Sandpisten fort. Ohne einen Kenner der Region verliert man sich schnell in der Weite der Wüste wobei die vielerorts auftretenden Fata Morganas die Orientierung erschweren. Beeindruckend erstreckt sich die 150 km lang und einzig und allein für die größte Steinkohletagebaumine der Welt gebaute Eisenbahnlinie durch das karge Land. Tag und Nacht rollen endlose Waggons in zum Hafen Puerto Bolivar, um den fossilen Energieträger in alle Welt zu exportieren. 60% des Bruttoinlandsproduktes des Departamentos La Guajira soll der Kohleexport ausmachen, 10000 lokale Beschäftigte finden dort ihren Arbeitsplatz, eine gigantische Abhängigkeit. Wenn El Cerrejon seine Förderung einstellt, stehen in der Region drastische Umbrüche bevor. Das Department gilt im kolumbianischen Vergleich als arm. In Punta Gallinas, dem nördlichsten Punkt Südamerikas spreche ich mit einer Zahnärztin, die gerade dabei ist die dort lebenden Kinder zu untersuchen. „Viele Kinder der Guajira befinden sich in keinem körperlich guten Zustand, das sieht man unter anderem an ihren Zähnen.“ Ich sehe Kinder mit hell verfärbten Haarspitzen, was Zeichen einer einseitigen Ernährung sein kann. Am Kohleexporthafen von Puerto Bolivar sollen in den vergangenen 30 Jahren 600 Mio. Tonnen exportiert worden sein. Was bleibt vom erwirtschafteten Geld für die lokalen Gemeinden? Wer profitiert vom gigantischen Umsatz? Was kann der „nachhaltige Tourismus“ in der Region bewirken? Kann er die Lebensumstände der Menschen verbessern? 

Die Bevölkerung sucht sich andere attraktive Wirtschaftsfelder: Der florierende Handel mit illegalem Handel mit venezolanischem Benzin ermöglicht der lokalen Bevölkerung ein zusätzliches Einkommen. Auf über 200 traditionellen Schmugglerrouten soll das Benzin auf dem Landweg in improvisierten Tanklastern über die Grenze gebracht werden. Am Wegesrand wird das Schmugglergut verkauft, hin und wieder sieht man eine ausgebrannte Tankstelle, das vielerorts auslaufende und in den Erdboden einsickernde Benzin gilt als normal. Die offiziellen Tankstellen haben allesamt geschlossen, die Schattenwirtschaft wird weitgehend geduldet.
An der Küste erkennen wir von weitem 15 gigantische Windräder, regenerative Energie für die Guajira. Der beständige, das gesamte Jahr über einfallende Passatwind macht die Guajira zu einem perfekten Standort dieser Energieproduktion. Bunte Plastiktüten werden von den starken Böen in die Dornsträucher getragen und bewegen sich im Wind. Man könnte mancherorts fast meinen, dass ein Künstler seiner Kreativität freien Lauf ließ.

La Guajira ... ein extrem spannendes Gesicht Kolumbiens, nur leider sind einige wenige Tage zu wenig Zeit, um dem Besucher einen tieferen Einblick in das Leben der Wayuu zu verschaffen.

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